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Text von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987




Das Hügelland um den Glan mit seinen anmutig in Waldungen und Feldmarken eingenisteten Ortschaften, so wie man es von Kusel am Remigiusberg bis Lauterecken und Medard erleben konnte, ändert sich im Vordergrund bei Meisenheim nur wenig. Aber wenn man die Hangkanten über dem Tal hinter sich lässt, dann erblickt man nach Süden und Südosten hin die vergleichsweise baumarmen Flächen, die sich wie Ausläufer der rheinhessischen Ebene ins Nordpfälzische vorzuschieben scheinen. Von Fern dominiert der markante Umriss des Donnersberges (687 m) diesen Landschaftsraum.

Nördlich des Glan überwiegt im Dreieck zwischen Lauterecken, Kirn und dem Disibodenberg zunächst noch ein sehr lebhaftes Geländemosaik im kleinräumigen Wechselspiel zwischen Äckern, Weiden und Waldstücken, das aber auf die untere Nahe zu gleichfalls in offene Fluren und sanft gewölbten Buckeln übergeht, an welchen sich mehr und mehr Rebhänge ausbreiten. Auch unmittelbar bei Meisenheim finden sich bereits (bzw. noch) einige Weinberge; weit größer ist aber der Anteil an zu Brachland gewordenen Wingerten. Buschwerk, Gräser und Trockenrasen überdecken hier die oft schon sehr brüchigen Stützmauern im Hang und tragen wesentlich zur Formung eines merkwürdig anmutenden Bildes bei: gewissermaßen einer der Pflege entwachsenen ›Landschaft nach dem Menschen‹, einer Kulturbrache, die soeben von urwüchsiger Natur wieder ein- und zurückgeholt wird.

An solchen Zeichen werden geschichtliche Abläufe augenblicklich besser sichtbar, als jede theoretische Erörterung über landwirtschaftlichen Strukturwandel sie vortragen könnte. Reizvoll wirken derartige Ansichten aber auf jeden Fall, und sie werden hübsch ergänzt und untermalt durch die fast jedes Dorf umringenden Haus- und Bauerngärten, aus denen statt der Hunsrücker Schieferlayen hier überall das satte Rot der Ziegeldächer über ockerfarbenem Mauerwerk hervorleuchtet.

Auch Meisenheim zeigt sich, kommt man von Medard her, mit solchen Gärten umkränzt. Aus dieser Szenerie ragt der bizarr durchlichtete Steinhelm der Schlosskirche hervor, nördlichster Vertreter der vom Freiburger Münster bekannten Spielart überfeinerter Baukunst des 15. Jahrhunderts. Diese Schlosskirche ist der bedeutendste spätgotische Bau des gesamten Nahe-Hunsrück-Raumes. In dem 1154 als Besitzung des Mainzer Erzstiftes erstmals erwähnten und späterhin den Grafen von Veldenz zu Lehen übertragenen Ort (Stadtrecht seit 1315) erfolgte 1321 eine bemerkenswerte historische ›Weichenstellung‹, als Georg I. und Agnes von Veldenz die Pfarrkirche samt Diensten und Enkünften den Johannitern von Herren-Sulzbach übertrugen: Danach verlegten die Leute vom ›Orden Sente Johannis des heiligen Spitalis von Jerusalem über mer‹ ihre Komturei nach Meisenheim und richteten sich gleich unterhalb der Kirche dort ein, wo bis heute das ansehnliche Gelbe Haus (um 1490 errichtet) und das benachbarte Gotische Haus Untergasse 2 (14./15. Jh.) sich als baulich höchst stimmungsvolles Ensemble zeigen.

Ähnliches gilt im alten Meisenheim aber für eine Vielzahl an Winkeln im Gehege des wie eine Leiter mit Gäßchen als ›Sprossen‹ zwischen den ›Holmen‹ der Ober- und der Untergasse angeordneten Stadtplanes. Dass dieses Städtchen als ›Perle am Glan‹ sein Erbe an Bauwerken aller Art seit der gotischen Epoche unversehrt bewahren konnte, verdankt es der Pfalzgräfin Charlotte Friederike, die den Franzosengeneral Bouffleur bewegte, als 1689 in der Pfalz und auf dem Hunsrück alle Stadtwehren und Burgsitze von den Franzosen eingeäschert wurden, seine sengende Hand nicht an die Glan-Idylle zu legen.

Vor einer Besichtigung der Schlosskirche empfiehlt es sich sehr, bei einem etwa halbstündigen Rundgang dieses Schatzkästlein historischer Stadtarchitektur in näheren Augenschein zu nehmen. Zwischen der Johanniterkomturei (Gelbes Haus) und dem wehrhaften Turm des Untertores (vor der Glanbrücke) reihen sich beiderseits der schnurgeraden Untergasse mit hübschen Fassaden, viele davon in Fachwerk, die Wohn- und Geschäftshäuser auf.
Die Zunftgassen, nach den Gewerben der Schmiede, Wagner und Gerber (Lauer) benannt, zweigen von dieser kleinen ›Magistrale‹ ab und gestatten immer wieder interessante Einblicke ins verzwickte Gefüge der Bauten und Innenhöfe oder führen zu den noch an manchen Stellen vorhandenen Resten der alten Befestigung.

Eine der qualitätsvollsten Architekturen stellt das vor 1517 im Stil der späten Gotik konstruierte Rathaus dar. Sechs Rundpfeiler seiner Halle im Erdgeschoss stützen die oberen Stockwerke; droben im Sitzungsaal erinnern die Bildnisse König Karls XII. von Schweden und mehrerer Herzöge von Pfalz-Zweibrücken an die Herrschaftsverhältnisse in Meisenheim nach Aussterben der Veldenzer Grafen (1444). Als Verwaltungssitz eines Oberamtes der mit dem schwedischen Herrscherhaus liierten Zweibrücker Dynastie erfuhr Meisenheim, vor allem unter Herzog Wolfgang, erhebliche Begünstigungen.

Bemerkenswert sind die drei Rathausportale, deren spitzbogigen Öffnungen um 1765 prächtige Barocktüren eingepasst wurden. Diese sind Arbeiten aus der Werkstatt des Johann Christoph Schmidt (1695-1722), der als ›Türenschmidt‹ und Begründer des sogenannten ›Meisenheimer Barock‹ ein beachtliches Werk hinterliess, von dem im Ort noch etliche Haustüren sowie die Kanzel in der Schlosskirche zeugen. Seine Söhne Georg und Karl führten diese kunsthandwerkliche Tradition bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts fort, während ihr Bruder Daniel Schmidt (1736-1804) in der Stummschen Werkstatt (Rhaunen-Sulzbach) zum Orgelbauer ausgebildet wurde und 1767 das Instrument in der Schlosskirche aufstellen half, das er dann als bereits Selbständiger 1785 fertigstellte. Zuvor hatte er (1782) in Heiligenmoschel (zwischen Meisenheim und Kaiserslautern) für die dortige Pfarrkirche eine meisterhafte Orgel geschaffen.

Gegenüber dem Rathaus mündet die Mühlgasse und führt zum Rest des Münzturms am Glanufer (beim schäumenden Wehr). Von dort lässt sich längs des ›Giessen‹ genannten Mühlbaches der gut erhaltene Wehrgang betrachten, der sich zwischen den Häusern und dem Flüsschen bis an Untertor und dann noch weiter zum runden Bürgerturm hinzieht.

Wieder zur Untergasse zurückgekehrt, kommt man nun rasch zum malerischen Marktplatz: Wuchtige Säulen der offenen Markthalle (17. Jh.) tragen ein langgezogenes Obergeschoss aus hübschen Fachwerk. Der Renaissancebau der Mohrenapotheke (um 1550) mit ihrem zweigeschossigen runden Erker dominiert das Ensemble. Wenig weiter gewahrt man bald das Thaynsche Haus (um 1575; heute Cafè) mit seiner vorkragenden Giebelfront, ehe man jetzt den kraftvollen Turmbau des Untertores erreicht, der größtenteils noch dem Anfang des 14. Jahrhunderts entstammt. Zur Linken rahmen weitere Fachwerkbauten den gepflasterten Rapportierplatz ein, auf welchen sich als netter Blickfang die bronzene Brunnenfigur des um 1935 von Emil Caier d.J. geschaffenen ›Meisenbübchens‹ erhebt. Gegenüber steht als dreiseitig geschlossener Saalbau (1685-88) die in schlichtem Barockstil gehaltene katholische Antoniuskirche, einst Gotteshaus einer kleinen Niederlassung der Franziskaner. Vis-à-vis erinnert ein ansehnlicher Fachwerkbau als historische Stätte an eine bemerkenswerte Epoche: im Gasthof Engel wickelte in den Jahren 1714-18 als zweibrückischer Stadthalter der polnische Exilmonarch Stanislas Leszczynski bei oftmaligen Aufenthalten zu Meisenheim seine Regierungsgeschäfte ab.

Nahebei mündet die von Norden in die Altstadt hereinkommende Saarstraße in die Obergasse, an welcher sich (Hausnummer 26) der Boos von Waldecker Hof aus dem 16. Jahrhundert erhebt. Zusammen mit dem Fürstenwärther Hof (Obergasse 8), dem Steinkallenfelser Hof (Obergasse 5), dem Kellenbacher Hof (Obergasse 3) und dem Hunolsteiner Hof (Amtsgasse 13) zählt er zum imponierenden Bestand der binnen weniger Jahrzehnte nach 1500 fast gleichzeitig in Meisenheim eingerichteten Adelssitze von Hunsrücker und naheländischen Sippen, die aus der Enge und Isolation ihrer alten Stammburgen in das von den Veldenz-Zweibrücker Schirmherren geförderte Zentrum drängten. Ritterliche Treue und Waffenbrüderschaft standen dazumal noch hoch im Kurs; bereits 1495 zogen Karl Boos von Waldeck und Schweickardt von Sickingen mit Herzog Alexander von Zweibrücken als Pilger ins Heilige Land. Simon Boos von Waldeck, dessen Grabrelief in der Schlosskirche eingemauert wurde, fiel 1553 als Feldherr und Gefolgsmann Kaiser Karls V. vor Metz.

In Abwechslung mit den meistenteils in Fachwerk aufgeführten Bürgerhäusern tragen die repräsentativen Fassaden (z. T. im 19. Jh. umgestaltet) der Meisenheimer Adelshöfe bedeutend zur Lebhaftigkeit des Gesamtbildes bei. Wo von der Obergasse abwärts die Hammelgasse abzweigt, steht mit zwei Fachwerkgiebeln und unter dem pittoresken Umriss des Schlosskirchturms die sogenannte Ritterherberge (Obergasse 4) zwischen Hunolsteiner und Kellenbacher Hof. Dort, so berichtet die Überlieferung, versammelten sich einst alle Abende die Rittersleut' zu wackerem Umtrunk.

Betrachtenswerte Bauten in der nahen Umgebung sind ausserdem die lutherische Christianskirche (1761-71; Gemeindehaus) und das lutherische Inspektorhaus (Obergasse 19), an dem eine Tafel an Johann Nikolaus Götz erinnert, der hier 1754-61 wohnte. Schließlich, schon unmittelbar im Bannkreis der Schlosskirche, zeigt sich das 1763 erbaute Rischmannsche Haus (Amtsgasse 1) als stattlicher Barockbau.

Gegenüber, hinter Rasenflächen und von hochstämmigen Platanen wirkungsvoll umkleidet, ragt hier das gotische Meisterwerk mit seinem 52 Meter hohen Turm empor. Meisenheims Schlosskirche fußt auf den Grundmauern eines für 1269 belegten, gewiss aber noch erheblich älteren Gotteshauses, das bei einer Beschießung 1461 derart in Mitleidenschaft gezogen worden war, dass ein Neubau erforderlich wurde. Herzog Ludwig der Schwarze (1459-89), Pfalzgraf bei Rhein und Graf von Veldenz, war seinem mit 10000 Mann herangerückten Vetter, Kurfürst Friedrich dem Siegreichen von der Pfalz (auch der ›böse Pfälzer Fritz‹ genannt), damals recht schmachvoll unterlegen. Nach diesem militärischen Fiasko warb er jetzt, wie der Kunsthistoriker F.W. Fischer trefflich schrieb, Steinmetzen statt Soldaten: »Hohe Ansprüche und kühne Pläne bestimmten sein Leben. In der Politik blieben sie Fiktion. In der Kunst wurden sie Wirklichkeit. Mit seiner Schlosskirche übertraf er alle mittelrheinischen Fürsten, ja selbst den Kaiser.«

Der Baumeister, der dieses Werk in staunenswerte Tat umsetzte, hiess Philipp von Gemünd, stammte aus Frankfurt und hatte dort in der Bauhütte von St. Bartholomäus gelernt. Philipp Steinmetz, wie er sich auch benannte, errichtete ausserdem die Zweibrücker Hofkirche, wirkte in Münster-Sarmsheim und in Monzingen, doch die Schlosskirche wurde sein Hauptwerk. Der begnadete Architekt und Bildhauer erfuhr zwar schon zu Lebzeiten bedeutenden Ruhm (man sprach sogar von der ›Meisenheimer Schule‹), aber er blieb im Lande und starb 1532 gleichsam im Schatten ›seines‹ Gotteshauses. Dessen Bauzeit währte zur Weihe am 24. Juni 1504 fast genau ein Vierteljahrhundert: So entstand eine Architektur von ungewöhnlicher Stiltreue und Geschlossenheit, ein Musterstück der ausgereiften Gotik.

Spätere Umbauten haben zwar teils problematische Änderungen bewirkt - die Entfernung des Lettners (1766) oder der Einbau neuer Chorfenster (1968) -, die einheitliche Wirkung des Kirchenganzen ist jedoch geblieben. Auf quadratischem Grundriss erhebt sich der Westturm mit seinen zwei wuchtigen Strebepfeilern. Tiefe Fensternischen, neugotischer Figurenschmuck unter Fialen sowie das zierliche zweigeteilte Portal gliedern die Untergeschosse. Hinter Maßwerkbalustraden von vier Tabrnakeltürmchen umstanden wächst aus dem viereckigen Unterbau ein achteckiges Doppelgeschoss hervor, dem die achtseitige Steinpyramide aufgesetzt wurde, die in ihrem oberen Teil, knapp unter der krönenden Kreuzblume, nochmals von einer mastkorbähnlichen Balustrade (Laterne) umschlossen wird. Dieser mit Krabben besetzte und fein durchbrochene Steinhelm ist es, angesichts dessen häufig die typologische Verwandtschaft mit den berühmten Türmen in Freiburg, Esslingen und Frankfurt hervorgehoben wird - hierzulande findet er jedenfalls nicht seinesgleichen.

Durch die Turmhalle betritt man das Langhaus, eine dreischiffige Halle von fünf Jochen mit unterteilten und teils eingezogenen Strebepfeilern, der sich ein quadratisches Chorjoch und schließlich die Chorhalle anschließen, letztere als Polygon mit sieben Seiten vom Zehneck geschlossen. Beachtenswert die Schlussteine: über dem Chorquadrat als sogenannte ›Johannesschüssel‹ (Johannes der Täufer) und über dem Chor im zehnzackigen Rippenstern mit Aposteln und einer Taube (Symbol der pfingstlichen Geisttaufe) ausgeformt. Das Langhaus (51,6m lang, 19,5m breit, 13m hoch; Seitenschiffe 11m hoch) wird von Rundpfeilern auf achteckigen Sockeln getragen; den Tonnengewölben wurden Rippennetze unterlegt. Nördlich (links) vom Chorquadrat wurde eine doppelgeschossige Sakristei angebaut, während zur anderen Seite, mit einem prunkvollen schmiedeeisernen Gitter versperrt, die Gruftkapelle den architektonischen Höhepunkt des Gotteshauses darstellt.

Hoch über der Grablege mit den seitlich aufgestellten Epitaphien tragen Bündel von Diensten das Netz der fischblasenförmig angeordneten Gewölberippen. Diese an sich schon eigenwillige Gestaltung wird aber noch unterquert durch ein außergewöhnliches zweites Rippennetz, das freischwebend vor der Gewölbekappe ausgespannt ist. Die herrlichen Schlusssteine dieser kühnen Konstruktion tragen Bilder der Gottesmutter, der Evangelisten sowie die Wappen derer, die sich drunten auf ewig haben beisetzen lassen.

Weniger von Symbolen freudiger Jenseitserwartung (wenngleich Kruzifix und biblisches Personal nicht fehlen) als vielmehr von martialischen Insignien überdeckt präsentieren sich die Grabmäler. Da vereinen sich die Wappenschilde zu dekorativen Ketten, steinerne Turnierhelme, Harnische und Kampfhandschuhe erzählen vom wehrtüchtigen Metier der verblichenen Herzöge. Auch Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken (1526-1569) kniet da, lebensgroß in Tuffstein abgebildet, voll gerüstet und mit gefalteten Händen. Seine kriegerische Montur ist freilich kein Bluff: Wolfgang, dem Meisenheim und seine Bürger viel verdankten, hatte als protestantischer Christ auf Bitten der Hungenotten einen Kriegszug nach Frankreich unternommen. Vor Limoges starb er an der Malaria; sein Leichnam musste auf abenteuerlichen Wegen in seine Heimatstadt überführt werden. Auf seinem Grabmal, das vom Simmerner Meister Johann von Trarbach geschaffen wurde, kniet ihm gegenüber seine Gemahlin Anna von Hessen. Die Schrifttafeln unter dem prunkvollen Werk erzählen ausführlich von beider Lebensgang. Rechts neben diesem Epitaph, ebenfalls durch Johann von Trarbach gefertigt, folgt das Grabmal der Pfalzgräfin Anna (1576 gest., Tochter der Vorgenannten), während dem Sohn Karl, ›von Gottes Gnaden Pfalzgraf bei Rhein, Herzog in Bayern, Graf zu Veldenz‹ (1560-1600) das opulente Bildnisepitaph an der Wand gegenüber gewidmet ist (Bildhauer war Michael Henckhell aus Bergzabern).

Noch mehrere Inschriftengrabmäler, von feinen Reliefs umrahmt, gewahrt man an den Wänden der Gruftkapelle. Andere Epitaphien sind an den Mauern der Seitenschiffe angebracht, darunter eine lebensgroße Plastik des geharnischten Simon Boos von Waldeck (1525-53). In der Seitenwand rechts dieses edlen Ritters erblickt man eingemauerte Reliefplatten mit Brustbildern der Kirchenväter Ambrosius, Gregor, Augustin und Hieronymus: Es sind Überreste der abgebrochenen gotischen Kanzel, die 1769 durch das hölzerne Meisterwerk des ›Türenschmidt‹ ersetzt worden ist. Diese reich verzierte Rokokoarbeit, die Stumm-Orgel sowie die barocken Epitaphien und hölzernen Totentafeln im Langhaus können durchaus verleiten, eine Besichtigung dieser kunstreichen Stätte noch länger auszudehnen.

Gleich neben der Schlosskirche steht das Herzog-Wolfgang-Haus, heute eine kirchliche Tagungs- und Freizeitstätte, als Überreste des um 1200 begründeten, nach 1614 umgebauten und 1734 abgebrannten Schlosses der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken. Wappen von England und von Hessen-Homburg erinnern noch an die historischen Tage, als Landgraf Friedrich Josef V. zu Beginn des 19. Jahrhunderts seiner Gemahlin, einer Tochter des englischen Königs Georg III., zuliebe den alten Magdalenenbau restaurieren und über dem Glanufer einen prächtigen Garten anlegen ließ.

Ein wenig vom Hauch jener romantisch eingefärbten Zeit, als man zu klingendem Spiel abendliche Bootsfahrten auf dem Flüsschen unternahm, scheint noch immer in der Luft zu liegen, wenn man zwischen Schlosskirche und Gelben Haus zum eisernen Steg geht, diesen überquert und vom jenseitigen Hang das stimmungsvolle Milieu der Gebäudegruppen im grünen Saum überschaut. Von dort führt der Fußweg eine Viertelstunde weit zur Brücke am Untertor: ein Spaziergang, der Meisenheim von seiner anmutigsten Seite erleben lässt.

Um einiges älter als das später aufgeblühte Residenzstädtchen sind etliche Bauernorte der Umgebung, behagliche Nester, an denen man allzuleicht vorüberfährt und so ihre kunsthistorisch sehr interessanten Relikte wahrzunehmen versäumt. So zum Beispiel Breitenheim, das man vom westlichen Stadtausgang schon nach drei Autominuten erreicht. Seine evangelische Kirche, ein hübsches Bauwerk unter adretter Zwiebelhaube, wurde zwar erst 1912 in der jetzigen Form errichtet, bezieht aber einen Chor der Spätgotik mit ein und zeigt an der Außenwand römerzeitlicher Reliefs von bedeutender Qualität: Zwei trauernde Gestalten und das Bruchstück der Darstellung einer Tänzerin könnten mit weit bekannteren Bildwerken der Antike durchaus konkurrieren. Jeckenbach, der in Richtung Kirn nächstgelegene Ort, ist eine einzige Idylle. Die Kirche (1767) erhebt sich wirkungsvoll zwischen alten Gehöften und über Bauerngärten. Oberhalb der Ortslage finden sich seltene Fossilien vom urzeitlichen Meeresgrund, und auf einer Bergkuppe beim Feldweg nach Desloch und Lauschied haben sich sogar Schlacht und Steintröge einer römischen Brunnenanlage erhalten. Lauschied mit einer 1875 geweihten Georgskirche bietet sich als Musterbild eines von Landwirtschaft geprägten Dorfes dar. Die Ortsgeschichte vermeldet, dass Schinderhannes und seine Spießgesellen hier einen bevorzugten Unterschlupf hatten.

Wer kennt schon Hundsbach, gleichfalls schön gelegen, mit seinem mächtigen Menhir an der Straßengabel Limbach - Otzweiler? Und wer hat schon einmal von Schweinschied gehört? Dort sollte man beim Gasthaus zur Linde dem Hinweisschild zum Römerdenkmal folgen: Ein schmales Asphaltsträßchen führt hangauf (rechts hinter dem Dorfrand eine der im 19. Jh. so beliebten und hier noch betriebenen ›Open-air‹-Kegelbahnen) zum Fußballplatz. Das Spielfeld wird am Waldrand von einem mächtigen Sandsteinfelsen überragt, in den noch gut erkennbare Relieffiguren eingemeißelt worden sind. Man erblickt einen Römer zu Pferde, wie er einen Barbaren niederreitet, der sich vergeblich mit seinem Schild schützen sucht. Fischschwänzige Fabelwesen, eine unbekleidete Frauengestallt sowie die teilweise erhaltenen Reliefs weiterer Personen vervollständigen dieses erstaunliche Monument Waldstück über dem Fußballplatz.

Auch Löllbach sollte man keineswegs achtlos durchfahren: Sein von der Friedhofsmauer umringtes Kirchlein birgt im unverputzten Gewand einen bedeutsamen Kunstschatz. Der Turm mit seinem Satteldach (ähnlich dem an der Hirsauer Kapelle) entstammt sichtlich der frühen Romanik, indes das einschiffige Langhaus mit dreiseitigem Chor ein spätgotisches Kleinod darstellt. Im Inneren vereinen sich Empore, Kanzel und Stumm-Orgel (1859) zu einem entzückenden Ensemble, dem die barocken Gemälde des Künstlers Johann Georg Engisch so ehrwürdige wie bunte Akzente hinzufügen.

Abtweiler mit seiner sehenswerten spätgotischen Kirche, darin Wandgemälde (15. Jh.) und Wappengrabsteine (18. Jh.), Kirschroth als abseitig gelegenes ›Geheimtip‹-Weindorf, Bärweiler mit der bizarren (kamelförmigen) Felsbildung des Langensteins und Becherbachs klassizistische Pfarrkirche (Stumm-Orgel von 1788) sind weitere Ziele in dieser naturschönen Gegend zwischen Nahe und Glan, die man von Meisenheim aus ansteuern sollte. Desgleichen lohnen sich Abstecher ins nahe Obermoschel, einem an alten Bauten reichen Städtchen zu Füßen der Moschellandsburg (Freilichtbühne unterhalb der Ruine), und zum benachbarten Niedermoschel mit der aus Wiesen malerisch aufragenden Lewenburg (1173 bereits erwähnt). Von dort kann man über Hallgarten oder das hübsche Lettweiler nach Odernheim und zum Disibodenberg weiterfahren, wo Glan und Nahe ineinander münden.

Zuvor aber, zwischen Hallgarten und dem bewaldeten Lemberg bei Oberhausen/Nahe, bedeutet es ein ›touristisch-historisches Muss‹, dem Wegweiser zur Burgruine Montfort zu folgen. Man erreicht hier, gewissermaßen in einer landschaftlichen Sackgasse, ein unvergleichliches Idyll: Im Tal liegt die Gebäudegruppe des Montforter Hofes nicht anders, als sie von Zeichnern vor fast 200 Jahren zur Illustration für Bücher der romantischen Epoche abgebildet worden ist. An einer Wappentafel zum Sträßchen hin erkennt man die charakteristischen Gürtelschnallen, die seit den Schmidtburger Emichonen manche Ritter aus Hunsrück und Naheland in ihren Schilden führten. Hier sind es die drei Rinken (=Schnallen) der Boos von Waldeck, die sich nach Zerstörung der Burg (1456) im Tal niedergelassen hatten. Auch an einem verwitterten Renaissanceportal (1601) nahebei kehrt dasselbe Wappen wieder. Im Montforter Hof lädt eine Wirtsstube die Besucher heute genauso zur Erfrischung ein, wie sie den Wanderern mit Ränzlein und Stecken vor anderthalb Jahrhunderten dargeboten worden ist, bevor sie den Aufstieg zur Ganerbenburg unternahmen.

Burg Montfort, in der jüngsten Zeit ausgegraben und im beachtlich noch aufragenden Mauerwerk vortrefflich restauriert, ist als Gründung der Veldenzer Grafen für 1226 erstmals bezeugt. Turmartige Wohnbauten sieben verschiedener Ritterfamilien, Wirtschaftsgebäude und der runde Bergfried fügen sich zu einem so vielschichtigen wie einheitlichen Gruppenbild, zu einer wahren ›Bilderbuchburg‹.

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