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Text über das Land oberhalb der Nahe von Uwe Anhäuser, Hunsrück und Naheland, DuMont-Kunst-Reiseführer, 1987



Durchs Tal an Herrstein vorüber fliesst der Fischbach, neben dem eine Straße hinauf nach Kempfeld führt; auf halbem Weg etwa, unweit der Asbacherhütte, steht die Biehlsche Edelsteinschleiferei, in welcher noch wie zu Vorväter Zeiten am sausenden Sandstein Achate ihren Glanz erhalten. Über Transmissionsriemen wird hier alles von einem mächtigen Schaufelrad angetrieben, das sich aussen unter stetem Wasserschwall dreht. Bachabwärts, über Niederwörresbach auf den Ort Fischbach zu, findet man in Steinbrüchen noch weitere Edelsteine (z.B. Amethyste, Bergkristall, Jaspis), die bei Sammlern begehrt und in der wiederaufgebauten Schleiferei an der Geracher Brücke zu betrachten sind. Alle übrigen Bachschleifereien, mehrere Dutzend einst im Fischbachtal, wurden zu Ruinen, als am Beginn dieses Jahrhunderts durch den elektrischen Strom die Wasserkräfte überflüssig und die Werkstätten in die Dörfer verlegt wurden.

Damals konnten sich selbst in bachfernen Orten die Schleifer etablieren, wie z.B. auch in Veitsrodt, das als Ferienort beliebt und mit einer ansehnlichen Kirche (um 1750) geziert ist. Als kostbar erscheint ihre an Schnitzereien reiche Ausstattung, die Bernhard Engisch 1752-55 gefertigt hat. In diesem Gotteshaus wirkte als Pfarrer 1804-11 der Magister Friedrich Christian Laukhard (1757-1822), »ein wüster Mensch und scheußlicher Trunkenbold, ein Frauenheld und ein alles Heilige lästernder Skribant«, wie es in einer zeitgenössischen ›Würdigung‹ heißt. Dass er aber ein wichtiger Schriftsteller mit sehr umfangreichem Werk und ein hochbedeutender Chronist der Jahrzehnte nach der Französischen Revolution gewesen ist, fiel der Vergessenheit ebenso wie das literarische Œuvre anheim. Nicht einmal eine Gedenktafel erinnert hier an ihn.

Abermals nun ins Tal hinab und nach Fischbach, dessen staunenswerte Attraktion die historische Kupfermine ›Hosenberg‹ im Seitentälchen darstellt: Von dieser zum Schaubergwerk vortrefflich hergerichteten Grube mit ihren riesigen Hohlräumen (›Weitungen‹) untertage zeigen die restaurierten Nebenanlagen Arbeitsstätten der Erzwäsche und Gesteinszerkleinerung.

In der neugotischen Dorfkirche (1853-55) des Ortes sind barocke Ölgemälde zu betrachten, die aus einer älteren Bergmannskapelle stammen und zu den schönsten (sowie besterhaltenen) Arbeiten des Künstlers Johann Georg Engisch (1668-1742) zählen. Er hat in mehreren Kirchen des Hunsrücks und des Nahelandes seine Werke hinterlassen: ausser in Fischbach auch in Dill, Herren-Sulzbach, Löllbach, Lötzenbeuren, Raversbeuren, Krumenau und Imsbach am Donnersberg. Auch die Tafelbilder in den Gotteshäusern  von Enkirch, Starkenburg, Mühlheim/Mosel und Hirschfeld werden ihm (nicht überall zweifelsfrei) zugeschrieben. Der in Kirn geborene Maler genoss schon zu Lebzeiten regionalen Ruhm und erfreute sich großer Gunst seitens Birkenfelder Landesherren. Seine Arbeiten ragen durchweg aus dem provinziellen Durchschnitt heraus und sind oftmals spiegelbildlich aufgefasste Wiedergaben bzw. Umsetzungen der berühmten Motive aus der Merian-Bibel.

Nahe Fischbach findet sich auf einen zum Nahetal abfallenden Felsklotz das romanische Kirchlein von Georg-Weierbach (Stadtteil Idar-Obersteins) hoch über einem weniger schönen Vordergrund von Industriegebiet und Supermarkt. Zur anderen Seite hin, wo beim Niederreidenbacher Hof die Bundesstraße 270 in Richtung Kaiserslautern abzweigt, gelangt man durch das Reidenbachtal nach Sien und dann über Grumbach weiter nach Lauterdecken am Glan. Rechts der Nahe und rechts dieser Straße beherbergen kleine Dörfer recht sehenswerte Sakralmonumente. Weierbachs evangelische Kirche (1792/93) wurde als bemerkenswerte klassizistische Architektur einem weit älteren (romanischen) Chorturm angebaut. Die katholische Martinskirche ist hingegen ein schöner Bau der Neugotik (1897). Auch in Mittelreidenbach dominiert ein neugotisches Gotteshaus (1869-72) das freundliche Ortsbild; oberhalb des Dorfes, wo die Straße nach Dickesbach hart am Rand des Truppenübungsplatzes Baumholder verläuft, birgt ein Kiefernwald hinter dem neuen Friedhof noch zahlreiche Grabhügel der latènzeitliche Hunsrück-Eifel-Kultur. Ähnlich altehrwürdig ist auch über dem steilen Ortshang des Reidenbachtales der ›Hunnenstein‹ von Mittelreidenbach, ein prähistorischer Menhir, unter welchem der örtlichen Sage zufolge König Attila (oder eine goldene Kutsche) begraben sein soll. Oberreidenbach liegt genauso idyllisch wie das Nachbardorf im Wiesental; seine katholische Kirche (1819-21) erhebt sich wirkungsvoll über den Dächern. Ihr romansicher Chorturm aus Bruchsteinmauerwerk wird von einem gotischen Helm mit Ecktürmchen gekrönt. Die evangelische Pfarrkirche wurde 1902 im neugotischen Stil errichtet.

Die Reidenbachtalstraße führt nun steil empor, darauf nach einer Absenkung und abermaligem Aufstieg bei der Talmulde des in Sienhachenbach abzweigenden romantischen Antesbachtales an Sien vorüber und dann stetig vorüber und dann stetig abwärts bis Lauerdecken im Glantal.

Sien ist Mittelpunkt einer offenbar schon zur frühkeltischen Zeit dich besiedelten Gemarkung: Hunderte von Hügelgräbern, vereinzelt sowie in zwei ausgedehnten Nekropolen, sind dafür ein deutlicher Beweis. Die Funde aus mehreren archäologisch untersuchten Bestattungsplätzen haben sehr interessante Objekte der Latène geliefert, darunter die aussergewöhnliche tönerne Schnabelkanne (im Landesmuseum Trier), die als Kopie im Birkenfelder Kreismuseum gezeigt wird.

Das Dorf, einst auch Mittelpunkt eines für 970 bezeugten Hochgerichtes und Lehens der salischen Kaiser an die Emichonen, zeigt schon von fern interessante Umrisse: Die barocke Haube der evangelischen Pfarrkirche (1768) und der spitze Turmhelm von St. Laurentius (neugotisch, 1892/93) vereinen sich mit dem 1761 unter Fürst Johann Dominik von Salm-Kyrburg errichteten Barockschlösschen zu einer edel wirkenden Vedute. Das Schloss diente als Amtshaus (heute Gasthaus) und zeigt einen dreiachsigen Mittelrisalit unter dreieckigem Giebel und verschieferten Mansarddach. Über dem schönen Portal tragen zwei Wildmänner das Wappen des Fürstenhauses.

Das Reidenbachtal grenzt mit seinem Westhang an den Truppenübungsplatz Baumholder, der sich bei Kirchen- und Nahbollenbach bis fast unmittelbar herab zur Nahe ausdehnt. Die heute zum Sperrgebiet gehörenden Höhenzüge, landläufig ›die Winterhauch‹ genannt, reichen des weiteren bis an den Stadtrand von Idar-Oberstein heran. Von Fischbach und dem eingemeindeten Weierbach flussaufwärts der Bundesstraße 41 folgend, erreicht man den Stadteingang beim Naturschutzgebiet der ›Gefallenen Felsen‹, einer dem Rotliegenden entstammenden geologisch interessanten Felsformation.

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